Die Sage von Friedrich, geboren nach seines Vaters Mord, zog weit fort aus Sachsen. Sie ward erzählt und neu erzählt, geformt und umgeformt, bis sie zu den Ohren eines dänischen Chronisten namens Saxo Grammaticus drang, der sie in seiner Geschichte der Dänen niederschrieb. Von ihm gelangte sie zu französischen Bearbeitungen, und von diesen auf die englische Bühne, wo sie ihre letzte und berühmteste Gestalt fand in dem Schauspiel von Hamlet, dem Prinzen von Dänemark.
Doch das ist eine andere Sage, und für ein anderes Erzählen. Hier in Sachsen, in den alten Landen Thüringens, zeugen noch heute die Steine und Kreuze von jener Wahrheit: dass ein Pfalzgraf erschlagen ward, dass seine Witwe seinen Mörder heiratete, und dass ein Sohn geboren ward, um den Namen und die Klage weiterzutragen in eine Welt, die sie vergessen wollte.
Zu Weißenburg, wo das Kreuz noch steht – das hölzerne längst vergangen, das steinerne mit späterer Inschrift – mag der Wanderer innehalten und Friedrichs gedenken. Zu Goseck, wo das Kloster noch steht, ruhen seine Gebeine in Frieden. Zu Reinhardsbrunn, wo Ludwigs Nachkommen ihr eigenes Kloster erbauten und ihre eigene Fassung der Begebenheit niederschrieben, ward die Sage in den Chroniken bewahrt, die auf uns gekommen sind.
Und wer an einem stillen Abend, wenn der Wind durch die Ruinen von Weißenburg weht, aufmerksam lauscht, der mag das Echo jener alten Sage vernehmen: die Jagd, die Lanze, der Sturz, der Sprung – und das Kind, das heranwuchs, die Last des Mordes an seinem Vater tragend.
Also endet die Sage von Friedrich, geboren nach seines Vaters Mord, der Hamlet von Weißenburg.