Kloster Zscheiplitz for UNESCO World Heritage Status

English original below

Sehr geehrter Herr Ulrich, Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchten wir uns um die Aufnahme der „Anlagen des Pfalzgrafenhofes Weissenburg und des Klosters Zscheiplitz“ in das vorgesehene Weltkulturerbe-Projekt „ Der Naumburger Dom und die Landschaft entlang der Flüsse Saale und der Unstrut – ein bedeutendes Herrschaftsgebiet im Hochmittelalter“ bewerben.

Für das späte 10. und frühe 11. Jahrhundert ist der Komplex Pfalzgrafenhof Weissenburg/ Kloster Zscheiplitz eines der wichtigsten geschichtlichen und kulturellen Denkmalensembles Europas. Dieses Ensemble ist sogar noch älter als die Klosterkirche Zscheiplitz, die ja schon Bestandteil der Weltkulturerbe-Bewerbung ist. Die „Anlagen des Pfalzgrafenhofes Weissenburg und des Klosters Zscheiplitz“ übertreffen diese sowohl bezüglich des Umfangs der Bausubstanz als auch im Hinblick auf ihre geschichtliche Bedeutung: Vergleichend zur Klosterkirche betrachtet sind hier besonders bedeutungsvolle und vor allem auch gut erhaltene architektonische Elemente der frühromanischen und gotischen Periode vorhanden.

Nahezu über 2 Jahrhunderte hinweg war der Komplex Residenz einer der mächtigsten und einflussreichsten Familien Europas, nämlich der Grafen von Goseck, der sächsischen Pfalzgrafen und einer jüngeren Linie der Wettiner. Als ein Zentrum der Macht und Amtsgewalt war es ein regelmäßiger Treff- und Anlaufpunkt, ja sogar zeitweise eine Residenz von Herrschern der Ottonen-Dynastie. Höchst wahrscheinlich ist hier, um das Jahr 1000 herum, Bischof Adalbert von Bremen geboren. Schon in Kürze wird es sich vermutlich zeigen, dass man ohne zu übertreiben sagen kann, dass Weissenburg einer der wenigen Plätze des Kontinents war, von dem aus in der Zeit vom 10. Bis zum 12. Jahrhundert große europäische Politik nicht nur theoretisch gedacht, sondern auch praktisch umgesetzt wurde.

Bedauerlicherweise jedoch befand sich das Ensemble in den frühen 2000er Jahren am Rande einer vollständigen und unumkehrbaren Zerstörung. Als unsere Familie das Gebäude in dieser Zeit erwarb, im Jahr 2008, hatte das Haupthaus 2 seiner 5 Dächer, die gesamte Fassade und Verzierungen im Innenteil sowie Öfen und Feuerstellen verloren. Die elektrische Verkabelung war marode, Wasserleitungen zerbrochen und undicht, Fußböden komplett verfault, Fenster und Türen zerbrochen und funktionsuntüchtig.

Während der vergangenen 5 Jahre – beginnend im Sommer 2009 bis dato – haben wir unsere Anstrengungen sowohl auf absolut notwendige Reparaturen konzentriert, ohne die ein Weiterbestehen des Gebäudes überhaupt nicht hätte  erreicht werden können, als auch auf weitere wichtige Maßnahmen  , um dem Komplex eine Zukunft zu garantieren.

Im einzelnen waren dies:

Am Hauptgebäude

    • Reinigung und Müll- bzw. Schuttentsorgung: über 50 m³ davon mussten allein im ersten Jahr aus dem Gebäude geschafft werden
    • Nötigste Dachreparaturen
    • Nötigste strukturelle Reparaturen
    • Eine komplette Erneuerung der elektrischen Kabel und der Verdrahtung
    • Eine teilweise Erneuerung der Wasserversorgung

Im Klostergarten

    • Freilegen und wiederherstellen der Originalstruktur: mehr als 300 m³ Schutt mussten entsorgt werden.
    • Anlage eines Rosen- und Kräutergartens

Der Garten ist jetzt für den öffentlichen Besucherverkehr in der Hauptsaison von Mai bis September gegen Gebühr,  im Oktober und November sowie von Mitte Februar bis Ende April frei, zugänglich.

Pfalzgrafenhof und Kloster

    • Freilegen von
    • Durchführung von
    • Erhaltungsmaßnahmen an
    • Ausstellen von 

maßgeblichen Elementen der ursprünglichen romanischen Bausubstanz.

Für Jahrhunderte waren Pfalzgrafenhof Weissenburg und Kloster Zscheiplitz ein Ort von dem aus sowohl Regierungsgewalt ausging als auch Einfluß auf die gesellschaftliche Entwicklung genommen wurde. Wir fühlen uns einer Tradition im Sinne von klösterlicher Wohltätigkeit und verantwortlicher kultureller Gestaltung verpflichtet indem wir vor Ort umfangreiche kulturelle Events und Bildungsprogramme ausgearbeitet und durchgeführt haben.

Im Einzelnen waren dies:

  • Eröffnung einer Kunstausstellung und eines Heimatmuseums im August 2015. Für die Öffentlichkeit kostenlos bieten wir Information und geführte Besichtigungen in 5 europäischen Sprachen an. Galerie und Museum sind ganzjährig täglich geöffnet (einmal abgesehen von den besonders wichtigen gesetzlichen Feiertagen) und kostenfrei zugänglich.
  • Zusammenstellung zweier paralleler Fotoausstellungen, die eine der Geschichte, die andere der Zukunft des Baudenkmalensembles gewidmet.
  • Schaffung einer Dauerausstellung von historischen Gegenständen und Dokumenten lokaler Herkunft.
  • Planung zweier Kunstausstellungen für das 1. Und 2. Quartal 2016
  • Angebot eines, in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Gastronomiebetriebsgesellschaft mbH, ganz besonderen Zscheiplitzer Klosterbieres, das eigens an diesem Ort vertrieben wird. Das soll der Absicht dienen, nicht nur ein rein künstlerisches Erbe, sondern auch ein kulinarisches Erbe dieses besonderen Ortes im Tal der Unstrut zu pflegen und fortzuführen. Dies wäre hier das erste Mal seit fast 100 Jahren, dass es wieder ein ortstypisches Klosterbier geben wird – sicherlich ein Beitrag von Bedeutung für  die Region insgesamt.
  • Begründung eines umfangreichen Marketing Programmes zur Wiederbelebung einer großen Bandbreite von Klosterprodukten, die durchaus mit einer Wiedererweckung der klösterlichen Traditionen des einfachen Lebens in Nähe und Harmonie zur Natur im Einklang stehen.
  • Schaffung einer geeigneten Multimedia Plattform, mehrsprachig, als Informationsquelle, korrespondierend mit einer mehrsprachigen  website www.zscheiplitz.com; dazu eine Online Gemeinschaft bei Facebook .
  • Gründung eines internationalen Netzwerks von Unterstützern und Freunden der Geschichte in und rund um Zscheiplitz, das weit über den Burgenlandkreis hinaus reicht
  • Durchführung von systematischen und umfangreichen auf das Gemeinwohl gerichteten Aktionen. Im August 2015 haben wir zum Beispiel eine Wohltätigkeits Auktion zugunsten der örtlichen Friedrich-Ludwig-Jahn Grundschule durchgeführt. Weitere auf das Gemeinwohl oder auch auf das gesellschaftliche Leben gerichtete Initiativen können in den kommenden Jahren realisiert werden.

Alle Arbeiten, einschließlich Bau- und Reparaturarbeiten am Gebäude, Unterhaltung des Klostergartens, des Betriebes der Website und des sozialen Netzwerks im Internet, Unterhaltung von Galerie, Ausstellung und Museum, sowie der üblichen Betriebskosten von Haus und Grund werden ausschließlich von uns privat durchgeführt und finanziert. Bis dato erhalten wir weder finanzielle, noch materielle Unterstützung, noch Zuspruch oder Unterstützung gleichwelcher Art von Seiten einer Regierungsstelle, der Gemeinde oder staatlicher bzw. regionaler Behörden, die für den Erhalt von Denkmälern von geschichtlicher Bedeutung zuständig sind, oder auch von diesgerichteten privaten Stiftungen oder Organisationen.

Das Ensemble Pfalzgrafenhof Weissenburg mit dem Kloster Zscheiplitz ist eines der herausragendsten Monumente, nicht allein bedeutungsvoll für das Unstrut-Tal, sondern für ganz Deutschland und sogar Europa. Sein Erhalt ist ganz grundlegend bedeutsam für eine angemessene und zusammenhängende Darstellung der frühmittelalterlichen europäischen Entwicklungsgeschichte. Dies gilt sowohl unter dem politischen Aspekt, als auch im Hinblick auf die Kunst und Architektur.

Wir sind davon überzeugt, dass die Einbeziehung des Ensembles  Pfalzgrafenhof  Weissenburg und Kloster Zscheiplitz in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes zweifelsfrei ebenso von grundlegender Bedeutung für dessen Erhalt, als auch für eine zusammenhängende und in sich schlüssige Darstellung des kulturellen Erbes im Unstrut Tal ist. Wir glauben, dass seine Einbeziehung in die Bewerbung des vorgesehenen Weltkulturerbe-Projektes „ Der Naumburger Dom und die Landschaft entlang der Flüsse Saale und der Unstrut – ein bedeutendes Herrschaftsgebiet im Hochmittelalter“  die Aussichten der Bewerbung auf Erfolg signifikant stärken würden. Irgendwelche glaubwürdigen Argumente gegen eine Einbeziehung des Monumentes „Anlagen des Pfalzgrafenhofes Weissenburg und des Klosters Zscheiplitz“ in dieses Gesamtprojekt zur Aufnahme in die Liste des  UNESCO Welt Kulturerbes gibt es jedenfalls nicht.

Wir freuen uns auf Ihre Antwort.

Kadri von Hahn

English original

Dear Landrat Ulrich, Ladies and Gentleman,

Hereby we apply for the inclusion of the complex of Pfalzgrafenhof Weissenburg/ Zscheiplitz Monastery into the Saale-Unstrut UNESCO World HERITAGE application.

The complex of Pfalzgrafenhof Weissenburg/ Kloster Zscheiplitz is one of the most important European historical and cultural monuments of late 10, early 11 cc AD. It predates and is substantially richer, both in historical connotations and building substance, then Klosterkirche Zscheiplitz, already included into the World Heritage application: Compared to the Klosterkirche it incorporates significant and well-preserved architectural elements of early-romanesque and gothic periods.

For almost two centuries it was a principal residence of the one of the most powerful and influential families in Europe – Counts of Goseck, Counts Palatine of Saxony and a cadet branch of the Wettin family; as a centre of power and authority it was a place of regular visits and, indeed, temporary residence, of emperors from the Ottonian dynasty. It is most likely that here, at around AD1000, Bishop Adalbert of Bremen was born. In short, it would not be an exaggeration to say that Weissenburg was one of the few places on the continent from where, in 10 to 12 centuries, a grand European politics was not only formulated but also directed.

However, by the early 2000s it was on the brink of total and irreversible destruction. By the time our family has acquired the building, in 2008, the manor have lost two of its five roofs, all of its facade and interior decorations, ovens and fire places, with dilapidated electric cabling, broken water pipes, rotten floors, broken windows and doors.

During the last four years – from summer 2009 till now – we concentrated our efforts on emergency repair works, without which the survival of the building could not have been achieved, as well as important measures to guarantee the future of the complex. In particular:

— cleaning and rubbish evacuation – more then 50 cubic meters of rubbish was carried out of the building site in the first year alone; and emergency roof repair works; emergency structural repair; complete renewal of the internal electric wiring and cabling; partial renewal of the water supply infrastructure;

— clearing and reconstructing the original structure of the Monastery Garden; more then 300 cubic meters of rubble was evacuated; a rose and a herb garden was created; the Garden is open to the public free of charge from October to the end of November and from mid February to end of April, and for a fee from May to September;

— revealing, preserving and displaying significant elements of the original romanesque building structure (bausubstanz) of the Pfalzgrafenhof/ Monastery;

For centuries Pfalzgrafenhof Weissenburg/ Kloster Zscheiplitz was a residence of power and a place of considerable social impact. We continue the traditions of charity and patronage by designing a comprehensive cultural events and educational programmes. In particular:

— opening to the public, in August 2015, of Zscheiplitz Art gallery and Heimatsmuseum; the information and guided tours are presented free of charge and in four european languages; both gallery and museum operate free of charge and are open every day of the week, all year round (except major holidays);

— creating two parallel photo exhibitions, dedicated to the history and the future of the monument, and one permanent artefacts and documents exhibition with another two art exhibitions scheduled for the first and second quarter of 2016;

— releasing, in cooperation with the Mitteldeutsche Gastronomiebetriebsgesellschaft mbH, a special edition of Zscheiplitz Klosterbier was manufactured to popularise not only the artistic, but also the culinary heritage of the Valley; this is the first beer brand of the Unstrut valley for almost a hundred years.

— initiating a comprehensive marketing programme of re-creation of a wide range of monastery products; revival of the monastic traditions of purity, closeness and harmonious co-habitation with the nature;

— creating an adequate multimedia and multilingual information environment, including a multilingual website http://www.zscheiplitz.com; an online Facebook community created;

— establishing an international offline network of supporters and fans of Zscheiplitz’s history, extending far beyond the borders of Burgenlandkreis;

— conducting systematic and comprehensive charitable work: in August 2015 a first charitable auction was held to benefit the local Friedrich-Ludwig Jahn Primary School with more charitable and socially-viable initiatives to be realised in the next few years.

All works, including the monument building & repair, maintenance of the Monastery garden, maintenance of the website & the electronic social network, maintenance of the gallery and the museum, house & property management are performed and financed entirely by ourselves. To date we receive no financial, material, moral or any other support from the government, community, state or local authorities responsible for the preservation of the historical muniment or the private foundations.

Pfalzgrafenhof Weissenburg/ Kloster Zscheiplitz is one of the most significant historical and artistic monuments not only of the Unstrut valley, but of Germany and Europe. Its preservation is essential for the adequate and coherent representation of the early-medieval European political history, its art and architecture.

We are confident that the inclusion of the Pfalzgrafenhof Weissenburg/ Kloster Zscheiplitz into the UNESCO list is essential for its preservation, as well as for a coherent and adequate representation of the Unstrut valley’s cultural heritage. We believe that its inclusion into the application would significantly strengthen the chances of the application’s success. No argument against the inclusion of the monument into the list of UNESCO World Heritage can be credibly sustained.

We are looking forward to your answer.

Kadri von Hahn

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